Mangelnde Fruchtbarkeit – wie Weichmacher, PCB und Pestizide die Fruchtbarkeit schädigen

Mangelnde Fruchtbarkeit - ein Problem der Gegenwart und Zukunft

Mangelnde Fruchtbarkeit lässt zahlreiche Paare ungewollt kinderlos und sie benötigen die Unterstützung der Reproduktionsmedizin. Generell nimmt die Fruchtbarkeit ab, ein besorgniserregender Trend. 2014 konnte nachgewiesen werden, dass endokrine Disruptoren die männliche Fruchtbarkeit schädigen. Viele dieser Chemikalien sind auch in Innenräumen zu finden. Paare mit Kinderwunsch, aber auch junge Familien und Schwangere sollten hierauf ein besonderes Augenmerk legen.

Rund zwölf Prozent aller Paare sind ungewollt kinderlos und ihr Anteil wächst. Jeder sechste Mensch ist laut einer WHO-Studie unfruchtbar. Die Qualität der Spermien ist im freien Fall.

Für den Zeitraum 1973 – 2011 wurde ein Abfall der Spermienqualität von rund 50 % ermittelt. Ähnliches gilt für die Anzahl: 2018 hatte der Durchschnittsmann nur noch halb so viele Spermien im Ejakulat wie in den 1970ern. Für einen aktuellen Podcast titelt Zeit online gar von einer „Spermien-Apokalypse“ und fragt, ob das Ende der Menschheit drohe.

Zu drastisch? Fakt ist: Hatten Männer 1973 noch 101 Millionen Spermien pro Milliliter, waren es 2018 nur noch 52 bis 65 Millionen. Eine Menge … und immer noch genug? Mag sein, denn erst bei unter 20 Millionen pro Milliliter gilt die Fruchtbarkeit als beeinträchtigt.

Setzt sich der statistische Trend jedoch ungebremst fort, könnte sich die Spermienproduktion bis 2045 dem Nullpunkt annähern. Und dies ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Bereits 1996 war im Spiegel zu lesen, dass die Spermienzahl pro Jahr um 2 % sinke. Der Artikel erläuterte, dass Umweltgifte für diesen Trend in Verdacht stehen und sich die Medizin auf immer mehr Kinder aus der Retorte einstellt.

Ungewollt kinderlos zu sein, ist für Betroffene eine erhebliche Belastung: seelisch, körperlich und finanziell.

Also höchste Zeit, sich mit den Ursachen zu beschäftigen. Neben medizinischen und psychischen Einflüssen spielen insbesondere Umwelteinflüsse eine große Rolle. Und einige davon sind in Innenräumen zu finden. Eine erhöhte Exposition gegenüber bestimmten hormonell wirksamen Substanzen, sogenannten endokrinen Disruptoren, kann die weibliche und männliche Fruchtbarkeit erheblich beeinflussen. Auch elektromagnetische Strahlung steht in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu schädigen.

Die WHO beobachtet seit einigen Jahrzehnten zunehmende gesundheitliche Beschwerden, die mit dem Hormonsystem zusammenhängen. Neben einer immer früher einsetzenden Pubertät bei Mädchen in den westlichen Industrieländern, beunruhige auch die nachlassende Spermienqualität junger Männer in Europa und die zunehmende Zahl an Brust-, Prostata-, Schilddrüsen oder Hodenkrebsfällen. 2012 hat die Organisation endokrine Disruptoren als ernstzunehmende Bedrohung definiert.

Eine der Ursachen der mangelnden Fruchtbarkeit sind endokrine Disruptoren, Chemikalien, die das Hormonsystem stören.
Ein endokriner Disruptor ist eine Chemikalie, welche die Funktion des endokrinen Systems ändert und dadurch negative gesundheitliche Auswirkungen auf einen intakten Organismus oder dessen Nachkommen verursacht.

„Endokrine Disruptoren (ED) sind Chemikalien oder Mischungen von Chemikalien, die die natürliche biochemische Wirkweise von Hormonen stören und dadurch schädliche Effekte (z.B. Störung von Wachstum und Entwicklung, negative Beeinflussung der Fortpflanzung oder erhöhte Anfälligkeit für spezielle Erkrankungen) hervorrufen“, definiert das Umweltbundesamt auf seiner Website.

Zu unterscheiden sind sie von endokrin aktiven Substanzen (EA). Diese haben zwar Einfluss auf das Hormonsystem, „wobei es aber beim aktuellen Stand des Wissens noch unklar ist, ob diese Wechselwirkung zu einem schädlichen Effekt auf den gesamten Organismus führt oder nicht“. Ein schädliches Potential der EA ist also keineswegs ausgeschlossen.

Substanzen mit endokriner Wirkung werden in der Lebensmittelindustrie, Medizin, Empfängnisverhütung, Kosmetik sowie in Alltagsprodukten und Baumaterialien eingesetzt. Zu den bekanntesten gehören Bisphenol A, Parabene, bestimmte Weichmacher oder Flammschutzmittel, polychlorierte Biphenyle (PCBs) und einige Pestizide.

Phthalate werden vor allem als Weichmacher für den billig herzustellenden Kunststoff Polyvinylchlorid (PVC) verwendet, der sonst zu hart und brüchig wäre. Von der jährlich in Westeuropa erzeugten einer Million Tonnen Phthalate gehen über 90 % in die Produktion von Weich-PVC. Diese Produkte bestehen dann zu 30 – 35 % aus Weichmachern.

Der größte Endnutzer von Weich-PVC ist die Bauindustrie. Das große Problem dabei ist: Die Phthalate sind nicht an das Material gebunden. Sie dünsten aus und verteilen sich durch Abrieb und belasten so die Innenraumluft. Über die Atmung oder direketen Kontakt mit dem Material gelangen die Stoffe in den Körper.

Typische Quellen von Phthalaten in Innenräumen sind Bodenbeläge, Kunstleder, Tapeten, Teppiche oder Kabelummantelungen.

Weichmacher beeinträchtigen die Fruchtbarkeit. PVC-Bodenbeläge bestehen aus bis zu 35 % Weichmachern.
Bodenbeläge, Teppiche, Kunststofftapeten: Besonders wenn phthalathaltige Kunststoffe großflächig verbaut sind, kann die Innenraumluft belastet sein.

Die fünf am häufigsten eingesetzten Phthalate sind:

  • DIDP (Diisodecylphthalat)
  • DINP (Diisononylphthalat)
  • DEHP (Diethylhexylphthalat)
  • DBP (Dibutylphthalat)
  • BBP (Benzylbutylphthalat)

Dabei war DEHP lange das am häufigsten verwendete Phthalat.

Von der EU sind derzeit DEHP, DBP und BBP als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Bei Männern senken sie die Zahl der Spermien und haben zudem das Potential, das Kind im Mutterleib zu schädigen. Daher werden seit einigen Jahren DEHP, DBP und BBP durch die Ersatzphthalate DIDP und DINP ersetzt. Diese machen derzeit den größten Anteil der eingesetzten Phthalate aus. Sie sind chemisch den ersteren ähnlich, aber derzeit nicht als gefährlich eingestuft. Dennoch hat die EU Phthalate für Baby- und Kinderartikel gänzlich verboten.

Bis 2006 enthielt Kinderspielzeug gefährliche Weichmacher (Phthalate).
Vermeiden Sie ältere Spielzeuge aus Weichplastik! Bis 2006 durften gesundheitsschädliche Phthalat-Weichmacher in Spielzeug verwendet werden. Diese können das Hormonsystem stören und zu Unfruchtbarkeit führen.

In älteren Produkten sind die gefährlichen Phtahlate natürlich noch vorhanden. Weichmacher sind langlebig und reichern sich im Organismus an.

Phthalate stehen auch in Zusammenhang mit dem Phänomen der „schwarzen Wohnungen“ („magic dust“), welches Wohnungen innerhalb kürzester Zeit schwarz werden lässt.

Polychlorierte Biphenyle sind in Verdacht, endokrine Disruptoren zu sein und somit für Unfruchtbarkeit bei Männern verantwortlich. Außerdem wirken sie immuntoxisch, teratogen (schädigen den Fötus im Mutterleib), entwicklungsschädigend für die körperliche und geistige Entwicklung und sind potentiell krebserregend.

Bei PCB handelt es sich um einen Summenparameter organischer Chlorverbindungen: Dies bedeutet, dass es sich hierbei – ebenso wie bei PAK ( polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) – um eine Summe aus mehreren Einzelsubstanzen handelt. Bei PCB sind dies 209 sogenannte Kongenere. Einige PCB-Kongenere weisen sogar dioxinähnliche Wirkungen auf.

Aufgrund ihrer gefährlichen Eigenschaften sind PCB seit 1986 verboten.

Bis dahin fanden sie aufgrund ihrer Eigenschaften vielfache Verwendung, i.B. im Bauwesen. Zwischen 1955 und 1975 wurden massenhaft PCB-haltige Fugendichtmassen (Fenster- oder Bodenanschlussfugen) im Innenbereich eingesetzt, insbesondere in den großen Betonbauten jener Zeit. PCB-haltige Schalungsöle haben Betonoberflächen verunreinigt. Im Fußboden-, Decken und Wandbereich wurden PCB-haltige Beschichtungen, Kleber oder Anstriche verwendet. Auch bestimmte Deckenplatten oder Kleinkondensatoren können zu einer PCB-Belastung der Innenraumluft führen.

PCB, bis 1989 enthalten in Leuchtstoffröhren, sind endokrine Disruptoren.
PCB finden sich in Deckenplatten, Anstrichen oder Fugenmassen der 50er bis 70er Jahre. Bis 1989 durfte PCB in geschlossenen Systemen verwendet werden, z.B. in Kleinkondensatoren von Leuchtstoffröhren.

Bei PCB handelt es sich um schwer abbaubare Stoffe. So findet man hohe PCB-Konzentrationen in betroffenen Gebäuden auch noch heute vielerorts. Gerade Schwangere sind – auch laut PCB-Verordnung – besonders schutzbedürftig.

Schon länger wird die hormonähnliche Wirkung einer Reihe von Pestiziden diskutiert, welche die Landwirtschaft einsetzt. Das bekannteste davon ist Glyphosat. Sein Einsatz wurde allen Erkenntnissen zum Trotz durch die EU-Kommission im November 2023 erneut für weitere zehn Jahre genehmigt, da es bei der Abstimmung keine ausreichende Mehrheit für oder gegen den Einsatz gegeben hatte. Deutschland wagte nicht dagegen zu stimmen, obwohl im Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grünen vereinbart war: „Wir nehmen Glyphosat bis Ende 2023 vom Markt.“ So wird also das versprochene Glyphosat-Verbot nicht umgesetzt.

Ist mangelnde Fruchtbarkeit als eine Folge des massiven Pestizideinsatzes in Landwirtschaft und Bauwesen?
Keine andere Chemikalie wird in Deutschland so viel verwendet wie Glyphosat – etwa 5500 Tonnen jährlich! Die IARC hält Glyphosat für wahrscheinlich krebserregend, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit verneint das. Warum gehen die Einschätzungen so weit auseinander?

Glyphosat wirkt neurotoxisch und als endokriner Disruptor. Bereits im Jahr 2015 erfolgte die Einstufung von Glyphosat als mögliches Humankarzinogen durch die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC).

Aber nicht nur über die Nahrung können Pestizide in den Körper gelangen. Sind Materialien in Innenräumen mit Pestiziden belastet, gelangen die Gifte über die Raumluft und den Staub in den Organismus der Bewohner. Und viele Pestizide wurden und werden sowohl in der Landwirtschaft als auch für Bau- und Ausstattungsmaterialien eingesetzt. Ein gutes Beispiel hierfür sind „Holzschutzmittel“, die Holz in ihrer Funktion als Fungizide (Pilztöter) oder Insektizide (Insektentöter) schützen sollten – und dabei allein in West-Deutschland die Gesundheit hundert tausender Menschen ruinierte. Aber nicht nur das. Es gibt Hinweise darauf, dass chlorierte Kohlenwasserstoffe, wie die in Holzschutzmitteln verwendeten Pestizide Pentachlorphenol (PCP) und Hexachlorcyclohexan (Lindan) ebenso wie die Dioxine, mit denen „Holzschutzmittel“ verunreinigt waren, die Spermienqualität verschlechtern und die Befruchtung von Einzellen stören.

Zwar wurden PCP und Lindan bereits in den 1980ern im Holzschutz verboten bzw. die Herstellung in Deutschland verboten. Bis 2002 durfte Lindan hingegen in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Seit 2009 ist die Chemikalie verboten, jedoch nur innerhalb der EU. Im Ausland wird Lindan weiterhin eingesetzt. Und Pestizide sind sehr langlebige Stoffe, die auch Jahrzehnte nach ihrem Einsatz noch in großen Mengen vorhanden sind und ihre gefährliche Wirkung entfalten können.

Ebenfalls bekannt ist die hormonähnliche Wirkung einer Reihe anderer Pestizide, die ebenfalls Störungen der Fruchtbarkeit oder auch ein erhöhtes Brustkrebsrisiko zur Folge haben können.

Je nach Fragestellung und Budget gibt es verschiedene Untersuchungsmethoden, endokrine Substanzen wie Weichmacher, PCB und Pestizide in Innenräumen aufzuspüren. Da sich die schwerflüchtigen Stoffe im Hausstaub anlagern, gibt ein Staub-Screening zunächst einen guten Überblick über dort nachweisbare Stoffe. Befinden sich verdächtige Materialien im Innenraum, können Materialproben genommen werden. Diese eignen sich auch zur Quellenidentifizierung. Eine Luftmessung gibt genaue Auskunft über die Konzentration der Schadstoffe. Diese Analysemethode zeigt, wie die Stoffe die Atemluft belasten. Auch vorhandene offizielle Vorsorge-Maßnahmen orientieren sich meist an den Ergebnissen von Luftmessungen. Besonders für PCB gibt es eindeutige Richt- und Grenzwerte, sodass sowohl Gesundheitsgefahren als auch Maßnahmen klar definiert sind.

Haben Sie Verdacht auf eine Belastung durch Weichmacher, Flammschutzmittel, PCB oder Pestizide in Ihren Räumen? Eine baubiologische Untersuchung bringt Klarheit!

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Holzschutzmittel: geschütztes Holz – gesundheitsgeschädigte Bewohner

1Holzverschalung

Der Holzschutzmittel-Prozess

Die massenhaft und bedenkenlos eingesetzten Holzschutzmittel der 1960er, 70er und 80er Jahre führten zum größten Umweltstrafverfahren der deutschen Justizgeschichte. Und zu einem Skandal: Die Justiz hat „die Geschädigten im Regen stehen gelassen und der Wirtschaft einen Gefallen getan“, sagt der damals verantwortliche Staatsanwalt Erich Schöndorf.

Die Anklage: Den beiden Geschäftsführern des marktführenden Holzschutzmittelherstellers DESOWAG wurde vorgeworfen, sie hätten im Zeitraum 1978/79 fahrlässig und seit 1979 vorsätzlich gefährliche Körperverletzung begangen. Der Tatbestand: Sie hatten gesundheitsschädliche Holzschutzmittel in den Handel gebracht und damit die Gesundheit abertausender Menschen stark geschädigt. Und das, obwohl ihnen die Gefährlichkeit bekannt gewesen sei.

Xyladecor und Xylamon waren die Namen der Mittel, die Millionen ahnungslose Hausbesitzer, voller Vertrauen in Hersteller und Behörden, in ihre Häuser einbrachten. Sie waren überzeugt, mit dem Schutz ihres Holzes zu Hause etwas Gutes zu bewirken. Suggerierten doch aufwendige Werbekampagnen eine angeblich unbedingte Notwendigkeit, das Holz vor Insekten- und Pilzbefall zu schützen. Selbst der Gesetzgeber griff ein: Zwischen 1956 und 1989 musste laut rechtsgültiger Norm das Holz aller neu erstellten Gebäude mit Holzschutzmitteln behandelt werden. Und das, obwohl bereits 1952 über Todesfälle in Verbindung mit PCP und Lindan berichtet wurde – eben jenen Bioziden, von welchen die Schutzwirkung vor Insekten und Pilzen bei Xyladecor und Xylamon ausging.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

PCP, kurz für Pentachlorphenol, war das am meisten in Holzschutzmitteln eingesetzte Fungizid. Bis zu seinem Verbot 1989 erfolgte der Einsatz in großen Mengen. Man geht davon aus, dass fünf bis sechs Millionen Häuser mit der hochgefährlichen, eindeutig krebserzeugenden Chemikalie behandelt wurden. In vielen Fällen war das eingesetzte PCP zusätzlich mit Dioxin verunreinigt – einem der gefährlichsten Gifte, das die Menschheit je entwickelt hat. Skandalös: Noch 5 Jahre vor dem Verbot von PCP wurde das Gift vom Bundesgesundheitsamt als „sicher nicht krebserregend“ eingestuft.

Lindan, ein Insektizid und potentes Neurotoxin, war ein weiterer gefährlicher Bestandteil der Holzschutzmittel. Aufgrund seiner toxischen Eigenschaften darf Lindan seit 1984 in Deutschland nicht mehr hergestellt werden. Seine Verwendung war aber noch bis 2007 in der EU erlaubt.

Holzschutzmittel sollten sicher vor Holzwurmbefall schützen.
„Xylamon Holzwurm-Tod ist ein sicheres Mittel für die Holzwurmbekämpfung. Es schützt gleichzeitig vor Neubefall“, war nebst einem lächelnden Männchen mit Daumen hoch auf dem Produkt der DESOWAG zu lesen.

So haben also die hochtoxischen Inhaltsstoffe PCP und Lindan nicht nur Holzwurm und Pilz zur Strecke gebracht, sondern auch die Gesundheit mehrerer hunderttausend Menschen allein in den alten Bundesländern geschädigt.

Vergiftetes Holz

Bei dem verwendeten Giftcocktail aus PCP, Lindan und Dioxin handelt es sich um schwerflüchtige Schadstoffe. Anders als bei leichtflüchtigen Schadstoffen, bleiben Schwerflüchter weitgehend am Material gebunden.

So ist die Gesundheitsgefahr durch Holzbalken, Holzverkleidungen und Dachstühle auch heute, lange nach Verbot der hochgefährlichen Inhaltsstoffe, gerade in Altbauten ein häufiges Problem.

In etwa jedem zweiten Haus in Deutschland sind die gefährlichen Holzschutzmittel eingebracht worden. Daher finden sich auch Jahrzehnte nach ihrer Anwendung bei Innenraumuntersuchungen regelmäßig hohe Werte von PCP und Lindan.

Für Dachstühle waren die gefährlichen Holzschutzmittel über 3 Jahrzehnte gesetzlich vorgeschrieben.
Behandeltes Holz kann bis zu 1000 mg/kg PCP enthalten. Mit der Anwesenheit von Dioxinen ist zusätzlich zu rechnen.

Vorsicht bei Sanierungen!

Große Gefahren lauern bei Sanierungen. Wird behandeltes Holz konventionell abgeschliffen, kommt es zur Freisetzung enorm hoher Schadstoffmengen. Aber auch energetische Sanierungen bergen ein Problem: Seit einigen Jahren werden ältere Häuser aufgrund von Energiesparprogrammen gedämmt und luftdichtere Gebäudehüllen forciert. Sind jedoch in den Gebäuden Holzschutzmittel oder andere Gifte angewendet worden, so kann dies gravierende Folgen haben: Es findet kaum mehr Luftwechsel statt und die Konzentration der Schadstoffe im Innenraum steigt.

Ruinierte Gesundheit

Gravierende Gesundheitsschäden bei zahlreichen Betroffenen führten zur Gründung der Interessengemeinschaft der Holzschutzmittel-Geschädigten (IHG) im Mai 1983. Diese stellte 1984 Strafanzeige gegen die Hersteller. Nach 5 Jahren Ermittlungsarbeit wurde 1989 eine rund 650 Seiten umfassende Anklageschrift vorgelegt. Die Staatsanwaltschaft war 2300 Strafanzeigen und hunderten dramatischen Leidensgeschichten nachgegangen. Doch zunächst ohne Erfolg: Im Juli 1990 hat das Landgericht Frankfurt/Main die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt, ohne überhaupt in eine Beweisaufnahme einzutreten. Der Nachweis der Kausalität sei »nicht mit der für eine strafrechtliche Verurteilung zu fordernden Sicherheit zu erbringen«, hieß es.

DESOWAG Geschäftsführer Hagedorn entschied sich für eine “ Vorwärtsstrategie“: „Wenn wir die Packungen ändern, machen wir doch im Nachhinein auf die Giftigkeit aufmerksam.“

Heute zeigen wissenschaftliche Arbeiten über die gesundheitlichen Auswirkungen von Holzschutzmitteln sowie Untersuchungen von Geschädigten, dass für ihre vielen Beschwerden und Erkrankungen die toxischen Holzschutzmittel eine verursachende, auslösende oder verstärkende Rolle spielen. Manche Betroffene erlitten akute Gesundheitsschädigungen während der Verarbeitung. Andere bekamen durch die jahrelangen Ausgasungen chronische Vergiftungen. Organische Spätschäden zeigen sich vielfach erst nach 20 bis 30 Jahren. Dies ist besonders tragisch. Und treten Symptome schleichend oder erst lange Zeit nach der Holzbehandlung auf, werden sie meist nicht mit den Auslösern in Zusammenhang gebracht.

Bei behandelten Hölzern befinden sich die Gifte in der äußeren Schicht des Materials.
In Holzschutzmitteln lag ein Mischungsverhältnis PCP mit Lindan von 10:1 vor. Etwa 90 % der Gifte befinden sich in den äußeren 3-5 mm der behandelten Hölzer. Die daraus resultierende Belastung der Raumluft kann zu erheblichen Sekundärkontaminationen der Raumausstattung führen.

Die Liste der Schädigungen durch Biozide ist lang

So reicht die Palette von psychopathologischen Symptomen über neurologische, dermatologische zu allgemeinen und internistischen Symptomen. Seit 1990 ist PCP als eindeutig krebserregend eingestuft. Es ist fruchtschädigend, neuro- ,immun- und lebertoxisch, steht in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu schädigen und das Erbgut zu verändern.

Auch Lindan gilt als krebserzeugend. Es ist ein potentes Neurotoxin. Es steht in Verdacht Nervenschädigungen, Parkinson und Multiple Sklerose auszulösen, zu Veränderungen der inneren Organe und der Blutbildung zu führen und hat Auswirkungen auf das Immunsystem.

Die Aufnahme der Gifte geschieht vor allem über die Haut und die Atmungsorgane. Bis heute ist nicht völlig geklärt, wie die Mittel auf den menschlichen Körper wirken.

Analysemöglichkeiten

Wenn Sie den Verdacht haben, dass in Ihrem Haus die gefährlichen Holzschutzmittel angewendet wurden, bringt eine baubiologische Analyse Klarheit. Betroffen sein können alle in Innenräumen verbauten Hölzer. Häufig wurde das gesamte Holz der tragenden Konstruktion, wurden Fenster, Türen, Zargen, Wand- und Deckenverkleidungen, Fußböden, Treppen bis hin zu Möbeln mit dem Giftcocktail behandelt. Je nach individueller Situation können Material-, Staub- oder Raumluftproben genommen und analysiert werden. Besonders für PCP gibt es eindeutige Richt- und Grenzwerte, sodass sowohl Gesundheitsgefahren als auch Maßnahmen klar definiert sind.

„Die Geschichte geht weiter und fängt wieder von vorne an“

sagt Erich Schöndorf, der Staatsanwalt und Ankläger des Xylamon-Prozesses. Ende 1991 wurde seiner Beschwerde schließlich stattgegeben und das Gerichtsverfahren endlich zugelassen.

Nach insgesamt 12 ½ Jahren und 3 Urteilssprüchen endete der Strafprozess mit einer Einstellung des Verfahrens im November 1996. Die beiden Angeklagten mussten eine Geldbuße von jeweils 100.000 DM (ca. 50.000 €) an die Gerichtskasse zahlen. Die Fa. BAYER AG und die Deutsche Solvay GmbH mussten als Eigentümer der DESOWAG 4 Millionen DM (ca. 2 Millionen Euro) an die Universität Gießen überweisen, um dort einen Lehrstuhl für Toxikologie der Innenraumluft einzurichten. Somit ist der Prozess mehr als glimpflich für die beiden Angeklagten ausgegangen – als Begründung führte der Richter u. a. das fortgeschrittene Lebensalter der angeklagten Geschäftsführer an. Für die Geschädigten war es ein fataler Ausgang. Denn nur ein Schuldspruch hätte ihren Klagen auf Schadensersatz Erfolgsaussichten gebracht.

Staatsanwalt Schöndorf hat über ein Jahrzehnt für die Geschädigten gekämpft, aber auch gegen seinen Arbeitgeber, die Justiz. Mehrfach wurde von ihm gefordert, das Verfahren einzustellen, doch Schöndorf ließ sich nicht kleinkriegen. Nach Ende des Prozesses verließ er den Justizdienst. Er wurde Professor für öffentliches Recht und Umwelt.

Vergessen bleiben die Opfer der PCP- und lindanhaltigen Holzschutzmittel. Sie sind mehrfache Opfer eines Skandals: gesundheitlich, finanziell, gesellschaftlich und menschlich.

Legal vergiftet, dann vergessen – von Menschen und Ratten

Die spannende Dokumentation des SWR (45 Min.) Die Holzschutzmittel Opfer – Legal vergiftet, dann vergessen ist absolut sehenswert. Tausende Menschen wurden damals krank. Und es gibt neue Opfer. Der Film schlägt einen Bogen vom Xylamon-Prozess zu den Inhaltsstoffen heutiger Holzschutzmittel.

Staatsanwalt Erich Schöndorf (1947-2023) kämpfte trotz vielfacher Widerstände als Staatsanwalt für die Opfer der Holzschutzmittel. Der Prozess nahm ein bitteres Ende. Erich Schöndorf verließ nach Prozessende den Justizdienst und wurde Aufklärer.

Besonders lesenswert ist das Buch von Erich Schöndorf Von Menschen und Ratten. Über das Scheitern der Justiz im Holzschutzmittelskandal.

Schöndorf erzählt seine mehr als 12 Jahre andauernde Kraftprobe, berichtet von geschickt geknüpften Netzwerken, gekaufter Wissenschaft, korrupter Politik und willfähiger Justiz. Der Holzschutzmittel-Prozess hat gezeigt, dass die Justiz keine angemessene Antwort auf die gesundheitlichen Risiken des technischen Fortschritts hat. Sein Buch versteht sich als Plädoyer für die Rückgewinnung justizieller Macht gegenüber wirtschaftlichen Interessen und ist somit auch heute hochaktuell.

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5G: Spitzengeschwindigkeit, schnellste Reaktionszeit, höchste Datenraten. Was kommt mit 5G auf uns?

5GNetz

5G in München – Ogschoit is

Der Ausbau des 5G Netzes mit seinen Spitzengeschwindigkeiten, geringen Reaktionszeiten und hohen Datenraten schreitet schnell voran. Im Juli 2019 gingen in München die ersten 5G Mobilfunksender ans Netz. Die bayerische Hauptstadt war somit eine der ersten Städte Deutschlands, in der 5G verfügbar war. Inzwischen ist fast die ganze Stadt, alle wichtigen Verkehrsadern und die Autobahnen mit 5G abgedeckt, wie diese Karte der Standorte von 5G Masten zeigt. Doch die neue Mobilfunktechnik führt zu sehr kontroversen Diskussionen. Zahlreiche Kritiker fürchten Gesundheitsrisiken, die Strahlung solle noch gefährlicher und schädlicher sein, als die der bisherigen Sendemasten. Was genau ist nun 5G?

Die 5G Etablierung erfolgt in zwei Phasen

Die 5G-Technologie baut auf dem bestehenden 4G Mobilfunk-System (LTE) auf. Ihre Etablierung erfolgt in zwei Phasen.

In der ersten Phase werden zunächst bereits verwendete Frequenzen benutzt. Für ländliche Regionen ist dies aufgrund der guten Reichweite ein Frequenzband um 700 MHz, für den Ausbau in Städten sind es die ehemaligen UMTS-Frequenzen um 2 GHz. Ein Frequenzband im Bereich von 3,3 bis 3,8 GHz ist für Highspeed 5G in Stadtzentren, Bahnhöfen oder Flughäfen vergeben.

Neu ist eine neuartige Antennentechnik bei Sendemaststandorten und auf Dächern, sogenannte MIMO-Antennen. MIMO steht für Multiple Input Multiple Output und bedeutet, dass mehrere Antennen parallel betrieben werden. Dafür bestehen die Antennen aus einem kleinteiligen Antennenraster mit 2, 4, 64 oder gar bis zu 1024 angeordneten kleinen Antennen. Diese kommen bei 5G Anwendungen des Frequenzbereiches ab 2,6 GHz zum Einsatz. Im Unterschied zu bisherigen Antennen schicken sie die Strahlung nicht mehr gleichmäßig in alle Richtungen, sondern senden gebündelt und gerichtet zum Nutzer. Dieses Verfahren heißt aktives Beamforming und ermöglicht eine deutliche Steigerung der Datenrate.

Bisherige Mobilfunkantennen (Sektorantennen für jeweils 120°) senden gleichmäßig in alle Richtungen, für 5G wurde eine neue Antennentechnologie entwickelt
Bisherige Mobilfunkantennen (Sektorantennen für jeweils 120°) senden gleichmäßig in alle Richtungen.

Hohe Frequenzen und kleine Zellen

In der zweiten Ausbauphase werden dann erheblich höhere Frequenzen (um 26 GHz) eingesetzt, um noch größere Datenmengen zu ermöglichen. Solch hohe Frequenzen haben allerdings eine geringe Reichweite. Diese Frequenzen werden zunächst in Fabrikhallen, Stadien oder Konzertsälen Verwendung finden. Eine weitere Ausdehnung auf Stadtzentren oder Verkehrsadern wird die Installation unzähliger zusätzlicher Sender (alle 100 bis 300 m) mit sich bringen. Diese werden vorrangig als sogenannte small cells umgesetzt, die auch heute schon zahlreich vertreten sind. Sehr praktisch für die Betreiber, denn für sie ist keine Genehmigung notwendig. Zudem kann man sie aufgrund ihrer Größe gut verstecken. Man findet sie in Stadtmöbeln, Ampeln, Laternen, Kanaldeckel, Litfaßsäulen oder Pflanztrögen. Wie solche Produkte aussehen, kann man sich auf der Website einer Herstellerfirma ansehen.

Die Größe oder Bauart von 5G Sendeantennen kann sehr unterschiedlich sein.
Strahlende Sender müssen nicht immer die typische Form der Sektorantennen haben. Viele 5G Sender werden zukünftig unsichtbar sein, da sie in Objekten versteckt werden.

100 000 Satelliten im All

Unterstützung bekommt das 5G-Netz aus dem All. Zehntausende 5G-Satelliten werden im Weltraum platziert, um zu garantieren, dass kein Ort der Welt ohne 5G-Netz ist. So wird auch im Falle von Katastrophen wie Erdbeben, Überflutungen, Vulkanausbrüchen oder Hurrikans eines sicher bleiben: 5G. Private Firmen wie SpaceX haben bereits rund 1700 5G Satelliten (Stand 6/2021) im Weltraum abgesetzt, Amazon startet dieses Jahr und andere folgen.

Im Schatten der COVID-19-Pandemie ist die Einführung des 5G-Mobilfunknetzes nahezu unbeachtet vonstatten gegangen. Widerstand war im Kontext der Lockdowns nicht möglich. Da zudem plötzlich Millionen Arbeitnehmer aus der Ferne arbeiten mussten, war dies eine gute Gelegenheit, 5G voranzutreiben. Kaum jemand traute sich mehr, Gesundheitsrisiken anzusprechen oder Hinweise zu möglichen Gesundheitsgefahren zu diskutieren. Am Anfang der Pandemie wiesen die Medien auf eine Korrelation zwischen regionalen 5G Rollouts und einer lokal erhöhten Zahl von schweren Coronaverläufen hin. In Wuhan fand der 5G Rollout bereits im Oktober 2019 statt. Der wichtigen Frage, ob der Rollout der neuen Technologie womöglich der zellulären Abwehr schade und somit Betroffene einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe ausgesetzt sein könnten, wurde nicht weiter nachgegangen.

Die Aufgaben der 5G-Technologie. Oder: wozu brauchen wir 5G?

Die 5G-Technologie mit ihren neuartigen Antennen und hohen Frequenzen wird die derzeit bestehenden Mobilfunknetze nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ihre besonderen Aufgaben werden anschaulich in diesem einminütigen Lehrvideo des ZDF für Kinder aufgezeigt.

Es geht um vernetzte Mobilität (autonome und miteinander vernetzte Fahrzeuge) und smart-Technologien wie Smart Home (Vernetzung von technischen Geräten aller Art zu Hause), Smart Metering (funkbasierte Strom-, Gas- und Wasserablesung) oder Smart Cities. Auch für die Bereiche Landwirtschaft, automatisierte Produktion, Telemedizin, Virtual und Augmented Reality wird 5G genauso unabdingbar sein, wie im Crowdcontrol (präventive Kontrolle der Öffentlichkeit anhand von Datenmustern).

Smart home ist massenhaft schädlichen Elektrosmog zu Hause. Derzeit wird WLAN genutzt. Doch war kommt mit 5G in unseren Häusern auf uns zu?
‚Smart-Home‘ ist die Vernetzung von technischen Geräten aller Art im Heim, meist über Funk. Genutzt werden Smart Home Systemen wie Philips Hue, Telekom Magenta oder Alexa und Google Assistant.

Mit der Leistungskapazität von 5G wird es möglich sein, jedes nur denkbare Gerät mit dem Netz zu verbinden und jeden Vorgang über das Netz abzuwickeln, sodass eine enorme Anzahl von Komponenten miteinander vernetzt werden. Diese kommunizieren in Smart Homes, Smart Cities, der Logistik, dem Krankenhaus, auf der Straße oder in der Landwirtschaft effizient mobil über 5G.

Gesundheitsgefahr 5G?

Allein schon durch die ins Unermessliche steigende Anzahl der funkenden Komponenten, aber auch durch zusätzliche Sendeanlagen, werden Mensch und Natur einem Übermaß an technischem Elektrosmog ausgesetzt. Funklöcher werden nicht mehr existieren. Wir sind diesem Experiment schutzlos ausgeliefert und um nichts anderes handelt es sich: ein beispielloses Experiment mit ungewissem Ausgang. Von Politik, Industrie und Medien wird behauptet, „Spekulationen über gesundheitliche Schäden durch 5G entbehren wissenschaftlicher Grundlage“ und „weder in der Biologie noch in der Physik gibt es entsprechende Anhaltspunkte“.

Im Gegensatz zu diesem abwiegelnden politisch-industriellen Narrativ, das auch schon von Asbest, Holzschutzmitteln oder Zigaretten bekannt ist, warnen mittlerweile Hunderte von Ärzten und Wissenschaftlern vor der Einführung von 5G. Der internationale Appell Stopp von 5G auf der Erde und im Weltraum, den inzwischen über 300 000 Ärzte, Wissenschaftler, Umweltaktivisten und Menschen zahlreicher weiterer Berufsgruppen unterzeichnet haben, listet dutzende bereits nachgewiesene gesundheitsschädliche Wirkungen von Hochfrequenzstrahlung für Mensch, Tier und Umwelt auf. Hier die deutsche pdf-Version des Dokuments.

Die Folgen von Elektrosmog

Zahlreiche Studien und Untersuchungen zeigen bereits heute: Eine Elektrosmog-Dauerbelastung durch hochfrequente Wellen – auch deutlich unterhalb der geltenden Grenzwerte – hat nachweislich biologische Wirkungen. Sie kann Zellen, das zentrale und vegetative Nervensystem, Chromosomen und Hormone negativ beeinflussen und in der Folge zu schweren Krankheiten führen. Mehr darüber können Sie in meinem Artikel zum Thema Elektrosmog lesen.

Wann jedoch im menschlichen Körper unter Elektrosmog-Einflüssen Krankheiten entstehen, lässt sich noch nicht vorhersagen. Denn hier spielen zahlreiche Faktoren wie Frequenz, Einwirkungsstärke und -dauer eine wichtige Rolle.

Zu den bisher erkannten Risiken in Bezug auf die Schädlichkeit der Strahlung kommen unbekannte neue Risiken in Verbindung mit der neuen Technologie und den neuen Frequenzen von 5G.

Wie wird unsere Welt in 20 Jahren aussehen? Wie werden Mensch und Natur mit dem Übermaß an Elektrosmog zurechtkommen? Vertragen wir noch mehr 5G?
„Die Pläne zur Implementierung von 5G drohen ernste irreversible Konsequenzen für den Menschen und dauerhafte Schäden in allen Ökosystemen der Erde zur Folge zu haben.“
Quelle: Aufruf von über 400 Mediziner und Naturwissenschaftler, die umgehend genaue Untersuchungen fordern.

Es ist völlig unabsehbar, in welcher realen Dosis wir zukünftig der Strahlung ausgesetzt sein werden und wie gerade die hohen Frequenzen und starken Intensitäten auf Mensch und Natur wirken. Doch fest steht schon jetzt: Der vollständige Ausbau von 5G wird allein in Deutschland etwa 750.000 neue Sendestationen bedeuten.

Hier gehts zur offiziellen Mobilfunk-Versorgungskarte der Bundesregierung.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie gefährlich ist 5G?

„Wunderfaser“ Asbest: die unvergängliche Krebsgefahr

asbesthaltige Fassadenplatten müssen fachgerecht entsorgt werden

Asbest ist die Bezeichnung für bestimmte natürlich vorkommende faserförmige Silikate, aus denen sich Fasern gewinnen lassen. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen. Asbestos heißt „unvergänglich“. Kein Wunder bei den folgenden Eigenschaften: größte Festigkeit, hitze- und säurebeständig, unbrennbar, verrottungsresistent, bindefähig und bestens dämmend. Das daher als „Wunderfaser“ bezeichnete Produkt wird seit 200 Jahren zu verschiedenen Zwecken eingesetzt.

Die erste Anwendung der Faser datiert zurück in die 1820er Jahre. Damals wurde die Kleidung von Feuerwehrleuten aus Asbestfasern hergestellt.

Etwa ab 1900 begann die massenhafte Verwendung von Asbest zur Herstellung von letztendlich rund 3000 unterschiedlichsten Produkten. Neben den bekannten Faserzementplatten für Dächer oder Fassaden, Blumentrögen oder feuerfesten Dämmungen wurden z. B. auch Postsäcke, Knöpfe, Telefongehäuse, Fallschirme, Getränkefilter oder Zahnpasta mit Asbest hergestellt. Die Firma Johnson&Johnson (USA) stellte gar 29 Jahre (bis zu Jahr 2000 !) einen asbesthaltigen Babypuder her. 38 000 Geschädigte, viele von ihnen an Krebs erkrankt, kämpfen bis heute um eine Entschädigung.

In den 1960ern bis 1980ern kam es zu einem regelrechten Asbestboom, der jedoch zumindest in Deutschland 1993 ein jähes Ende nahm. Längst überfällig wurde offiziell, was sich schon über Jahrzehnte gezeigt hatte: Die eingeatmeten Fasern verursachen Krebs. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits über ein Jahrhundert hinweg in Deutschland überwiegend bedenkenlos Millionen Tonnen asbesthaltiges Material verbaut. Und das meiste davon (ca. 80 %) steckt noch heute in asbesthaltigen Platten auf Dächern und Fassaden oder verbirgt sich sonst wo im Gebäude. Besonders betroffen sind Gebäude, die zwischen etwa 1960 bis 1990 erbaut wurden. In ihnen sei mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit Asbest zu finden, so der Norddeutsche Asbestsanierungsverband.

Extrem gesundheitsgefährdend

Asbest gilt als extrem gesundheitsgefährdend, denn er zerteilt sich in spezielle Fasern, die sehr leicht eingeatmet werden. Die Fasern dringen tief in die Lunge ein, reizen und vernarben diese. Asbestose ist die Bezeichnung der Lungenverhärtung durch diese Vernarbung. Da der Körper die Fasern nicht abbauen kann, entstehen zunächst chronische Entzündungen und schließlich mit einer mittleren Latenz von 30 Jahren Tumore, wobei der Schwankungsbereich 10 bis 60 (!) Jahre beträgt. Da die Fasern auch angrenzende Gewebe erreichen können, sind weitere Organe (Kehlkopf, Brust-, Rippenfell, Eierstöcke) durch Krebs betroffen. Trotz des Verbots sind noch heute, fast 30 Jahre später, in Deutschland weit über die Hälfte aller berufsbedingten Todesfälle auf Asbest zurückzuführen. Ein EU-weites vollständiges Verbot für Asbest wurde übrigens erst 2005 ausgesprochen.

Asbest ist eine sehr erst zu nehmende Gesundheitsgefahr
Global gesehen ist die Asbestproblematik weiterhin akut. Die Gefährlichkeit wird von den Verantwortlichen ignoriert.

Die Mühlen der Erkenntnis und Aufarbeitung sind langsam. Eine traurige Tatsache, wenn man bedenkt, dass Asbestose bereits um 1900 als Krankheit erkannt und der daraus folgende Lungenkrebs 1936 als Berufskrankheit bekannt war. Die ersten Opfer waren also Arbeiter, die asbesthaltige Materialien hergestellt oder verarbeitet hatten und dafür aufgrund schwerer oder tödlicher Krankheiten um viele Lebensjahre betrogen wurden.

„Fast 40.000 Menschen mussten als offiziell anerkannte Berufskranke durch Asbest bis heute einen frühen Tod sterben. Die Dunkelziffer ist vermutlich doppelt so hoch. In Deutschland starben allein im Jahr 2015 fast 1.600 Menschen, in Europa mehr als 10.000 und weltweit über 150.000 Menschen an Asbesterkrankungen. Man rechnet bei den Erkrankungen, dass die „Spitze des Eisbergs“ erst 2020-2025 erreicht sein wird. Das liegt daran, dass zwischen dem Zeitpunkt der Schädigung und dem Ausbruch der Erkrankung mehrere Jahrzehnte liegen können,“ informiert die Asbestose Selbsthilfegruppe.

Doch der gefährliche Stoff wurde wider besseren Wissens trotzdem als „Wunderfaser“ jahrzehntelang bedenkenlos weiter angepriesen und seine Krebsgefahr von der Industrie geleugnet.

Auch wenn Europas größte Asbestmine in der Balangero, Italien, 1990 stillgelegt wurde, in anderen Regionen der Welt wird heute noch massenhaft Asbest abgebaut: im Jahr 2020 weltweit 1,2 Millionen Tonnen. Der Spitzenproduzent ist Russland, gefolgt von Kasachstan, China und Brasilien. Global gesehen ist die Asbestproblematik weiterhin akut. Asbestfasern sind überall vorhanden. Sogar in der Antarktis finden sich ~20 Fasern pro Kubikmeter Luft.

Haupteinsatzgebiet für Asbest war die Baustoffherstellung

Der propagierte Vorteil der Langlebigkeit bedeutet im Umkehrschluss, dass Asbest auch heute noch in zahlreichen Wohnungen anzutreffen ist. Als problematisch sah man lange nur schwach gebundene Asbestprodukte. Aus diesen Produkten löst sich die Asbestfaser sehr leicht heraus. Dies gilt besonders für Spritzasbest, der als Brandschutz für tragende Elemente verwendet wurde. Aber auch alte Nachtspeicheröfen enthalten schwach gebundenen Asbest. Ein weiterer Klassiker sind Bodenbeläge, die in den 1960ern als Cushion-Vinyl-Beläge einen Siegeszug erlebten. Das Trägermaterial ähnelt optisch Pappe, enthält aber schwach gebundenen Asbest. Ebenso gefährlich sind Asbesttextilien, alte Dichtungen oder Dämmungen.

asbesthaltiger Bodenbelag
ältere Floor-Flex Platten enthalten Asbest
gefährlich: asbesthaltige Kleber
Bodenkleber und Spachtelmassen können asbesthaltig sein

Doch auch von fest gebundenem Asbest geht eine Gesundheitsgefahr aus. Dazu gehören z. B. Dach- und Fassadenplatten (oft „Eternitplatten“ genannt), Blumenkästen, Putze, Spachtelmassen, Fliesen- und Bitumenkleber oder auch Vinyl-Asbest-Fliesen (Floor-Flex). Bei diesen Produkten ist der Asbest zwar fest ins Material eingebunden. Trotzdem auch hier bitte Vorsicht: werden die Produkte thermischen oder mechanischen Einwirkungen ausgesetzt, bearbeitet oder gehen sie zu Bruch, werden die kritischen Fasern z. T. in großen Mengen freigesetzt.

Wie kann man Asbest erkennen?

Mit bloßem Auge ist dies nicht möglich. Die Asbestfasern sind zu klein. Asbestfasern bestehen aus millionenfach aneinander gelagerten Kristalliten. Haben Sie Verdacht auf asbesthaltige Materialien in oder an Ihrem Haus, so bringt eine Laboranalyse des Materials Klarheit. Auch Staubuntersuchungen oder Kontaktklebeproben können vorgenommen werden.

Laboruntersuchung auf Asbest
Ob es sich bei verdächtigen Materialien um Asbest handelt, klärt eine Laboruntersuchung in einem qualifizierten Fachlabor.
Graphitklebestempel zum Nachweis von Asbestfasern
Graphitklebestempel sind Probenehmer für Kontaktklebeproben

Typische Asbestquellen im Wohnumfeld sind:

  • Asbestzementplatten an Fassaden oder Dächern sowie Wellplatten (bis 1993)
  • Fußbodenbeläge (Flor-Flex-Platten und Cushion-Vinyl-Bodenbeläge)
  • alte Fliesenkleber, Estriche, Spachtelmassen (betroffen sind ca. 25 % der vor 1995 errichteten Gebäude)
  • Blumenkästen oder Fensterbänke
  • Spritzasbest als Brandschutzummantelung
  • Asbestpappe
  • Putze (z. B. in Heizungsnischen, Fensterlaibungen und an Türanschlüssen)
  • Nachtspeicheröfen (bis ca. 1972)
  • alte Dichtungsschnüre an Öfen
  • alte Dämmungen (zwischen 1960 und 1980)

Entfernen von asbesthaltigen Materialien

In Deutschland dürfen nur zertifizierte Firmen / Handwerker asbesthaltige Materialien sanieren oder entsorgen. Dabei gelten strengen Schutzmaßnahmen, die u. a. ein staubdichtes Arbeiten und den Einsatz von besonderen Absauggeräten vorschreiben. Denn es sollen weder die ausführenden Fachpersonen noch die Bewohner einer Gefahr durch Asbestfasern ausgesetzt werden.

asbesthaltiger Muell
Werden asbesthaltige Produkte entsorgt, gilt der gesamte Abfall als gefährlich.

Jährlich fallen viele Tonnen asbesthaltiger Müll an. Oft wird Asbest unwissentlich entfernt oder es wird versucht, „kostensparend“ zu entsorgen. Neben den Gesundheitsgefahren, die bei solchen Arbeiten entstehen, gilt es zu bedenken, dass der unsachgemäße Umgang mit Asbest eine Straftat darstellt.

Mehr zum Thema Asbest erfahren Sie in der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegebenen Leitlinie für die Asbesterkundung zur Vorbereitung von Arbeiten in und an älteren Gebäuden.

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Formaldehyd in Spanplatten: Das „tödliche Bücherregal“

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Die Geschichte der Spanplatte begann 1940 in Bremen. Dort wurde die erste ihrer Art unter Verwendung von Formaldehyd-Harzen hergestellt. Sie löste einen enormen Boom in der Bau- und Möbelindustrie aus, denn nun konnte der Verwertungsgrad von Bäumen um das Doppelte von 40 % auf 80 % gesteigert werden.

Der Grundstoff für Spanplatten ist Abfallholz in Form von kleingehackten Spänen. Diese werden unter hohen Temperaturen und Druck in Form gepresst. Um die Festigkeit zu gewährleisten, wird jede Menge Kunstharzleim zugegeben. Klassischerweise handelt es sich dabei um Formaldehydharz-Leime.

Mehr als 50 Jahre später, im Jahr 1992, untersuchte das Magazin „Stern“ verschiedene Regale auf Formaldehyd. Und die Ergebnisse waren erschreckend: „Krank durch Billy“ titelte das Magazin und IKEAs Regal-Verkaufsschlager Billy war plötzlich als „tödliches Bücherregal“ in aller Munde.

Seither sind vielen Menschen die Gesundheitsgefahren, welche von formaldehydausgasenden Möbeln ausgehen, bekannt. Formaldehyd ist der Möbelschadstoff Nr.1 und das bekannteste Innenraumgift. Über 90 % der heute verkaufen Möbel bestehen aus – meist furnierten – Spanplatten.

Gleichzeitig ist Formaldehyd mit rund 21 Mio. Tonnen Jahresproduktion (Stand: 2019) einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie.

Formaldehyd ist ein leichtflüchtiger Schadstoff und entweicht aus Lacken und Klebern recht schnell. Bei Möbeln aus Holzwerkstoffen jedoch sieht es anders aus: Noch viele, viele Jahre nach dem Kauf geben diese das gefährliche Wohngift an die Raumluft ab, denn durch eine chemische Reaktion mit der Raumluftfeuchte wird es immer wieder neu gebildet und freigesetzt. Formaldehyd entweicht folglich über die gesamte Lebensdauer der Spanplatte. Erst wenn die Spanplatte zu Spänen zerfallen ist, ist dieser Prozess beendet.

Gesundheitliche Auswirkungen von Formaldehyd

Formaldehyd ist sehr reaktiv. Es wird sowohl über die Atemwege als auch über die Haut aufgenommen. Zu den typischen gesundheitlichen Folgen einer Formaldehyd-Belastung gehören gerötete und/oder tränende Augen, Schleimhautreizungen, Reizhusten, Asthma und Hautausschläge. Auch Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gedächtnisstörungen sind bei langer Exposition typisch. Formaldehyd schädigt das Immunsystem und hat sensibilisierende Eigenschaften, was Innenraum-Allergien befördert.

Doch erst 2004 hat die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) Formaldehyd als für den Menschen krebserzeugend (carcinogetic to humans, group 1) eingestuft, was zu einer Neubewertung in Deutschland geführt hat.

Schützt mich jetzt der Gesetzgeber vor Formaldehyd?

Um die Verbraucher vor einer zu hohen Belastung mit Formaldehyd zu schützen, wurden Formaldehyd-Emissionsklassen eingeführt. So wurde die Verwendung des Stoffes wegen seiner Gefährlichkeit in den letzten Jahren zwar deutlich eingeschränkt, jedoch nicht komplett aus der Produktion von Baustoffen und Möbeln verbannt.

In Deutschland sind für Möbel und Innenausbau nur noch Produkte der Emissionsklasse E1 zulässig. Doch E1 bedeutet nicht formaldehydfrei. E1 bedeutet: Das Material entlässt unter bestimmten Bedingungen nicht mehr als 0,1 ppm (dies entspricht 125 μg/m³) Formaldehyd in die Raumluft.

Sind E1-Platten unbedenklich?

Zum Nachweis einer E1 Klassifizierung wird das zu untersuchende Material bei bestimmten Raumluftparametern in eine Prüfkammer gegeben. Nach einer definierten Zeit wird die Ausgasung gemessen. Diese Laborbedingungen entsprechen jedoch in keiner Weise üblichen Wohnbedingungen. Zusätzlich werden in der Prüfkammer gerade die für die Ausgasung kritischen offenen Kanten abgeklebt!

Verschiedene Vereinigungen fordern daher deutlich strengere Werte.

Auch die baubiologischen Richtwerte empfehlen niedrigere Ausgasungswerte: Bei baubiologischen Raumluft-Untersuchungen gelten bis zu 50 μg/m³ als tolerabel. Werte über 50 μg/m³ sind stark und über 100 μg/m³ extrem auffällig und somit aus baubiologischer Sicht nicht mehr zu akzeptieren.

Bei empfindlichen Menschen kann Formaldehyd bereits ab einer Konzentration von 60 μg/m³ allergische Reaktionen hervorrufen.

2020 wurden in Deutschland zuletzt die Prüfkammerbedingungen verschärft, sodass bei gleichbleibendem Grenzwert die Holzwerkstoffe nur noch halb so viel Formaldehyd ausgasen dürfen.

Dennoch: Seien Sie sich darüber im Klaren, dass E1 nicht zwangsläufig ein Qualitätsmerkmal ist. Im Sinne einer aktiven Gesundheitsvorsorge sollte in Ihren Innenräumen keine Belastung mit Formaldehyd vorliegen und als Mindeststandard der Richtwert der WHO von 60 μg/m³ eingehalten werden.

Vermeiden Sie daher zuhause besser E1-Platten.

Besondere Vorsicht ist bei älteren oder ausländischen Produkten angebracht. Deren Herstellung entspricht nicht den aktuellen deutschen Standards. So können Formaldehydausgasungen bedenkliche Konzentration erreichen.

Vorsicht ist auch bei älteren Fertighäusern geboten. Hier wurden oft großflächig Spanplatten verbaut. So kann es zu massiven Belastungen mit dem gefährlichen Innenraumgift kommen.

Wie hoch die Formaldehyd-Belastung im Raum ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielen neben der Qualität der verbauten Holzwerkstoffe auch deren Fläche, die Raumgröße, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit eine Rolle.

Ihr Möbelverkäufer sagt: „Formaldehyd? Kommt auch in der Natur vor!“

Tatsächlich: Manche Früchte enthalten Formaldehyd. Formaldehyd entsteht im menschlichen Körper bei Stoffwechselvorgängen und gast auch aus naturbelassenem Massivholz aus.

In geringen, natürlichen Mengen ist Formaldehyd unbedenklich. Es kommt auf die Dosis an.

Die in Holzwerkstoffen verwendeten Formaldehydharze werden künstlich hergestellt. Daher enthalten Möbel aus Spanplatten oder anderen Holzwerkstoffen bis zum hundertfachen mehr Formaldehyd als Massivholzmöbel.

Ob Holzwerkstoffe gesundheitsgefährdende Mengen Formaldehyd enthalten, klärt sich am besten und sichersten mit einer qualifizierten baubiologischen Laboruntersuchung. Es können Proben verdächtiger Materialien genommen werden. Möchten Sie wissen, wie stark Ihre Raumluft mit Formaldehyd belastet ist, wird eine Raumluftprobe genommen. Im Gegensatz zu den (oft realitätsfremden) Prüfkammerbedingungen wird hier die Menge an Formaldehyd gemessen, der die Bewohner ausgesetzt sind.

Gibt es auch unbedenkliche(re) Spanplatten?

Ja!

Eine gute Alternative sind F0-Platten (Herstellerbezeichnung). Hier wird ein formaldehydfreier Kleber verwendet. Es gibt zementgebundene Spanplatten. Magnesit ist ein formaldehydfreies Bindemittel für Holzwerkstoffe.

Manche Hersteller verwenden die Bezeichnung E0,5 D2020 um darauf hinzuweisen, dass es sich um Holzwerkstoffe der neuen Prüfkammerbedingungen seit 2020 handelt.

Auch Holzwerkstoffe mit dem NaturePlus- oder Eco-Institut-Siegel gasen geringere Mengen Formaldehyd aus.

Besser nicht:

Seit 2016 dürfen Produkte mit dem Blauen Engel 80 μg/m³ in der Prüfkammer ausgasen (zuvor waren es nur 60 μg/m³). Sie sind daher nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Platten mit der Kennzeichnung E1+ emittieren in der Prüfkammer maximal 80 μg/m³ und sind somit wie jene mit dem Blauen Engel nicht für große Flächen geeignet.

Keinesfalls verwenden sollten Sie Produkte der Emissionsklasse E2. Diese dünsten die 10-fache Menge der E1 Platten aus: 1250 μg/m³. Bei E3 Produkten entstehen sogar 1750 μg/m³ Formaldehyd in der Raumluft im Prüfkammerversuch!

Viele Möbel enthalten Formaldehyd. Dieses entweicht aus Holzwerkstoffen wie Spanplatten.

10 wertvolle Tipps: So vermeiden Sie Formaldehydbelastungen im Wohnbereich

  1. Bevorzugen Sie bei der Anschaffung von Möbeln Vollholzmöbel aus massivem, unbehandeltem Holz. Achten Sie auch auf die Rückwände und Schubladen!
  2. Verzichten Sie auf Laminatböden, diese enthalten oft Formaldehyd zur Feuchte-Imprägnierung.
  3. Auch Korkfußböden können Formaldehyd enthalten – prüfen Sie das Produkt ihrer Wahl.
  4. Wenn Sie Holzwerkstoffe im Wohnraum verwenden möchten, achten Sie auf die Emissionsklasse, die Herkunft und das Herstellungsdatum der Produkte.
  5. Oberflächen und Möbel können durch Lackieren versiegelt werden. Verwenden Sie hierzu ausschließlich Lacke, die zur Versiegelung geeignet sind und zudem keine Schadstoffe enthalten.
  6. Furnierte Oberflächen vorhandener Spanplattenmöbel können mit Bienenwachs und einem weichen Lappen eingerieben werden. Bienenwachs hat die Fähigkeit, Formaldehyd zu binden.
  7. Auch Bohrlöcher können mit Bienenwachs verschlossen werden, um Ausdünstungen zu vermeiden.
  8. Offene Kanten lassen sich am besten mit einem dampfdichten Klebeband aus Aluminium verschließen. Dies funktioniert natürlich auch bei Bohrlöchern, Ritzen oder Spalten.
  9. Rauchen Sie nicht! Ein Raucher nimmt pro Zigarettenpackung 3 mg Formaldehyd auf, Raucher von E-Zigaretten bei gleichem Konsum sogar 14 mg. Übrigens: im kalten Nebenstrom ist 50 x mehr Formaldehyd enthalten, als im Hauptstrom!
  10. Helfen können auch Zimmerpflanzen, die Formaldehyd abbauen. Es eigenen sich: Drachenbaum (Dracena), Efeutute (Epipremnum aureum), Goldfruchtpalme (Chamaedorea seifrizii), Zimmeraralie (Fatsia japonica), Birkenfeige (Ficus benjamina), Grünlilie (Chlorophytum comosum), Scheidenblatt (Spathiphyllum), Fensterblatt (Monstera deliciosa), Orchideen (Orchidaceae), Flamingoblume (Anthurium andraeanum), Schwertfarn (Nephrolepis exaltata), Gummibaum (Ficus elastica), Steckenpalme (Rhapis excelsa), Philodendren (Philodendron)

Bei Verdacht auf eine Formaldehyd-Belastung der Raumluft, bringt eine Raumluftuntersuchung Klarheit!

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