Schlaftracker bei Schlafstörungen: echte Hilfe oder zusätzliches Risiko?

2016 litt laut Robert Koch Institut jeder 4. Deutsche an Schlafstörungen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass inzwischen 30 % der Deutschen betroffen sind. Laut Krankenkassendaten ist die Zahl der Menschen mit klinisch diagnostizierter Insomnie zwischen 2011 und 2021 um 80 % gestiegen.

Betroffene haben einen großen Leidensdruck, denn ein gesunder Schlaf ist essentiell für die körperliche und geistige Gesundheit. In der Schlafphase erholen und regenerieren wir uns von den Anstrengungen des Tages. Chronischer Schlafmangel hingegen schwächt das Immunsystem und führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für verschiedenste Krankheiten. Auch das Risiko für psychische Erkrankungen steigt, wenn der erholsame Schlaf ausfällt. Hilfe ist oft schwer zu finden. Medikamente wirken nur kurzfristig und nicht selten mit deutlichen Nebeneffekten. Schlaftherapeuten oder Therapieplätze sind Mangelware.

Seit einiger Zeit füllen verschiedenen digitale Anwendungen diese Lücke: Online-Programme, Smart-home-Systeme und vor allem (Tracking-) Apps. Sie versprechen, oft mit Studien und „wissenschaftlich belegt“, schnelleres Einschlafen, weniger Wachzeit und verminderte Insomnie-Symptome. Die Preise entsprechender Apps sind teilweise beträchtlich hoch. Manche digitale Anwendungen werden von den Krankenkassen und somit der Solidargemeinschaft übernommen (z.B. somnio ca. 460 Euro).

Studien zeigen: Smartphone am Schlafplatz kann zu Schlafstörungen führen.
Handys sollen helfen Schlafstörungen zu mindern. Es gibt zahlreiche Apps, die versprechen, den Schlaf zu verbessern. Sie überwachen Schlafzyklus, zeichnen Herzfrequenz, Bewegungen und Atem auf, analysieren Schlafmuster, spielen beruhigende Klänge oder leiten Entspannungstechniken an.

Interessant hierbei ist: Obwohl seit langen durch zahlreiche Studien belegt ist, dass die Nutzung digitaler Geräte die Schlafqualität negativ beeinflusst, wird dieses Paradoxon bisher kaum betrachtet.

Eine norwegische Untersuchung mit mehr als 45.000 jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren zeigte, dass 95 % der Teilnehmer ihr Bett mit einem digitalen Gerät teilen. Die durchschnittliche Bett-Bildschirmzeit lag bei rund 45 Minuten. Bereits eine Stunde Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen erhöhte das Risiko für Schlaflosigkeit um fast 60 Prozent.

Laut der Studie beeinträchtige die Nutzung der digitalen Geräte den Schlaf auf vier Arten

  • Die Mediennutzung ersetzt den Schlaf. Man kommt nicht davon weg und bleibt daher länger wach.
  • Die Lichtexposition (Blaulicht) unterdrückt die Melatoninausschüttung, die den Schlaf-Wach-Zyklus steuert.
  • Bildschirmaktivität führt zu erhöhter Erregung, welche am Einschlafen hindert
  • Nachrichten in der Nacht führen zu Schlafunterbrechungen.

Gleichzeitig zeigen weitere Studien, dass Handynutzer – und vor allem auch zunehmend Kinder und Jugendliche – immer öfter an Schlafmangel leiden.

Bestätigt werden solche Ergebnisse auch durch Untersuchungen, die eine Reduktion der Nutzungsdauer digitaler Geräte betrachten. Bereits nach drei Wochen Beschränkung des Handygebrauchs auf 2 Stunden täglich verbesserte sich die Schlafqualität deutlich.

Alle diese Studien beschäftigen sich jedoch nicht mit einem baubiologisch wichtigen negativen Aspekt digitaler Endgeräte im Schlafzimmer: der Zerstörung einer gesunden, natürlichen Schlafatmosphäre durch Elektrosmog.

Obwohl das Bundesamt für Strahlenschutz rät, die eigene Exposition gegenüber Elektrosmog (auch elektromagnetischen Felder oder EMF genannt) möglichst gering zu halten, ist es offiziell umstritten, ob diese die Gesundheit schädigen. Ein DNA-schädigendes und krebsauslösendes Potential von hochfrequenter Strahlung, wie sie Handys aussenden, ist jedoch weitgehend anerkannt.

Bedenken sollte man: Im Schlaf ist der Mensch am empfindlichsten. Gerade in dieser sensiblen Phase zeigten Untersuchungen eine negative Veränderung biologischer Vorgänge durch EMF. Besonders bei empfindlichen Menschen können dadurch bedingt Schlafstörungen auftreten. Die baubiologischen Richtwerte für Schlafbereiche beachten genau diese wichtige Erholungsphase und empfehlen daher die Belastung durch Elektrosmog so gering wie möglich zu halten.

SBM A123
Baubiologische Richtwerte sind Vorsorgewerte. Sie beziehen sich auf Schlafbereiche, die besonders empfindliche
Regenerationszeit des Menschen und das damit verbundene Langzeitrisiko.

Werden Schlafapps nun ohne entsprechendes Wissen über Elektrosmogquellen und deren Vermeidung eingesetzt, sind – gerade bei sensiblen Personen – negative Auswirkungen auf die Schlafqualität möglich. Die vermeintlichen digitalen Schlafhelfer befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Körper! Das Smartphone zur Geräuschaufzeichnung soll direkt neben dem Kopf abgelegt werden, Fitness-Tracker oder Smartwatch zur Überwachung von Vitalfunktionen während der Schlafphase liegen direkt am Arm an.

Sind die Geräte während der Schlafphase online oder ist WLAN und Bluetooth aktiv, so kommt es zu einer hohen Belastung durch Funkstrahlung (hochfrequente Wellen) direkt am Schlafplatz. Wenn beruhigende Töne („Sleep Sounds“) von Schlafapps gar über In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer gehört werden, ist die Strahlenquelle direkt im Kopf. Und wenn der Handyakku für die Aufzeichnung über Nacht nicht ausreicht und das Handy daher eingesteckt wird, entstehen zusätzlich zur Funkstrahlung auch noch starke elektrische Wechselfelder, welche ebenfalls unter Verdacht stehen, negative Auswirkungen auf die Schlafqualität zu haben.

Möchten Sie also digitale Anwendung zur Analyse oder Schlafhilfe nutzen, sollten Sie, so mein baubiologischer Rat, darauf achten, dass diese keinen Elektrosmog erzeugen. Handys und Tracker sollten sich im Flugmodus befinden und dabei auch WLAN und Bluetooth deaktiviert sein. Smart-Home-Schlafhilfen wie Smart Lights oder Smarte Matratzen sind oft Dauerstrahler. Hier sollte das Risiko-Nutzen-Verhältnis gut abgewogen werden und gegebenenfalls die Strahlungsstärke ermittelt werden.

Die Einflüsse auf die Schlafqualität sind komplex. Meistens handelt es sich um eine Vielzahl von unterschiedlichen Faktoren, wobei neben den messtechnisch erfassbaren auch jene der menschlichen Psyche eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Von Wissenschaftlern, welche negative Effekte von Elektrosmog ausschließen, werden immer wieder Studienergebnisse zitiert, die zeigen, dass Menschen objektiv Funkstrahlung nicht wahrnehmen können. So gab man in einem Versuch Personen, die sich selbst als elektrosensibel einschätzen und Signale von Funkmasten für ihre Schlafstörungen verantwortlich machten, Zuhause einen Baldachin über ihr Bett. Dieser war entweder mit oder ohne funkabschirmende Metallfäden. Die Ergebnisse zeigten, dass es für die Schlafqualität keine Rolle spielte, ob die Teilnehmer tatsächlich abgeschirmt waren oder dies nur subjektiv fühlten: Wer also glaubte, vor Elektrosmog geschützt zu sein, schlief auch dann besser, wenn der Baldachin gar keine Schirmwirkung hatte. So könnten sich auch Effekte sogenannter „Harmonizer“ erklären.

Mögliche Langzeitfolgen von Elektrosmog lassen sich durch solche Studien jedoch nicht widerlegen und auch ein subjektives Schutzgefühl mag zwar beruhigend sein, aber nicht vor den Langzeitfolgen physikalischer Felder und Wellen schützen.

Psychologisch können Schlaftracker bei Betroffenen sogar zu Schlafproblemen führen, wenn diese zu perfektionistisch versuchen, ihre Schlafqualität zu optimieren.

Die Baubiologie ist die Disziplin, die sich mit der Beziehung zwischen Menschen und ihrer gebauten Umwelt beschäftigt und insbesondere gesundheitliche Aspekte betrachtet. Im Mittelpunkt aller baubiologischen Untersuchungen steht immer der Schlafplatz, als wichtigster Platz im Wohnumfeld. Das zunehmende Auftreten von Schlafproblemen ist auch in der baubiologischen Praxis bei Beratungen und Untersuchungen sehr präsent.

Ein guter, gesunder Schlafplatz sollte frei von Schimmelpilzen, Schadstoffen und Radon sein, ein gutes physikalisches Raumklima bezogen auf Temperatur, Luftfeuchte und CO₂ haben und vor allem frei von störendem Elektrosmog sein. Dazu gehört neben einer guten Hauselektroinstallation auch der Verzicht auf feldintensive und strahlende Geräte im Schlafzimmer.

Achten Sie bei Schalfstörungen auf eine gute Schlafhygiene und ein gesundes, naturnahes Schlafumfeld!
Gerade in unruhigen Zeiten ist eine gute Schlafqualität essenziell für unsere körperliche und psychische Gesundheit.

Für Betroffene ist es wichtig neben Schlafhilfen, stressreduzierenden Maßnahmen und ggf. ärztlicher Hilfe auf eine baubiologisch optimale und gesunde Schlafumgebung zu achten. Hier unterstützt Sie eine baubiologische Beratung oder Messung.

Das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit hat im Auftrag der Rolle Stiftung eine umfassende und sehr lesenswerte Broschüre zum Thema publiziert.

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