Dicke Luft im Innenraum – das muss nicht sein!

richtiges lueften

Kennen Sie das? Es ist stickig, die Luft ist verbraucht, leichte Kopfschmerzen treten auf, es fällt zunehmend schwer, sich zu konzentrieren, die Stimmung fällt … dicke Luft.

Die Redensart „dicke Luft“ beschreibt eine angespannte, gereizte und oft auch feindselige Stimmung. Entstanden ist sie wohl im Ersten Weltkrieg, als die Luft mit dem Rauch feindlicher Geschosse und Granatsplitter geschwängert war.

Unter dicker Luft in Innenräumen versteht man hingegen eine mangelnde Qualität der Raumluft, die sich nicht nur unangenehm anfühlt, sondern auch zu unterschiedlichen Beschwerden führen kann. Was sich stickig, muffig, dunstig, verbraucht oder schwer anfühlt, ist dabei eine messtechnisch nachweisbare Veränderung der Luftqualität.

Im Winter, wenn aus Kostengründen wenig gelüftet wird oder im heißen Sommer, wenn wir versuchen die heiße feuchte Luft auszusperren, herrscht in vielen deutschen Innenräumen dicke Luft. Aber es gibt auch Fälle, wo sich die Raumluft schwer anfühlt, Gerüche hängen bleiben und das Wohlbefinden sinkt, obwohl regelmäßig und ausreichend gelüftet wird.

Welche Ursachen stecken dahinter? Wie können Sie schlechte Luft überhaupt erkennen? Und mit welchen Mitteln kann man die Raumluftqualität spürbar verbessern?

Ein Erwachsener atmet mit jedem Atemzug etwa einen halben Liter Luft ein. Das sind (je nach Alter, Größe und Fitness) 6 – 10 Liter pro Minute und unglaubliche 9 000 – 14 000 Liter pro Tag.

Die Luft besteht überwiegend zu 99 % aus Stickstoff und Sauerstoff. Der Rest sind Edelgase (z. B. Argon, Helium, Krypton und Xenon) und anderen Spurenstoffe (z. B. Kohlendioxid (CO₂), Methan, Wasserstoff, Distickstoffmonoxid und Kohlenmonoxid).

Zudem enthält die Luft Staubpartikel, Aerosole und VOC. Und sie ist immer teilweise mit Wasserdampf gesättigt

Eine Familie mit 4 Personen atmet täglich 1800 Liter CO₂ aus! Auch die Nutzer verändern die Innenraumluft deutlich.

Eine zu hohe Konzentration an bestimmten Schadstoffen, Feinstaubpartikeln oder CO₂ in der Luft kann sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken und zu Symptomen führen. Schlechte Raumluft macht also nicht nur müde, gereizt und unkonzentriert, sondern kann auch Asthma verschlimmern und langfristig Erkrankungen hervorrufen.

leiden unter schlechter luft
Ist die Luft mit schädlichen Stoffen belastet oder enthält zu viel oder zu wenig Feuchtigkeit, sprechen wir von schlechter, stickiger oder dicker Luft.

Der Mensch atmet CO₂ aus. Daher steigt in geschlossenen Räumen der CO₂-Wert sehr schnell an. CO₂ ist zwar nicht toxisch für den Menschen, aber ein hoher CO₂-Gehalt führt zu Konzentrationsabfall, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Zudem ist der CO2-Wert im Innenraum ein vorzüglicher Indikator für die Luftqualität: je höher die CO₂-Konzentration in der Luft, desto schlechter die Luftqualität. Daher sollte der CO₂-Wert im Innenraum möglichst ähnlich der Außenluft sein, als Maximalwert wird in vielen Richtlinien 1000 ppm vorgeschlagen. Frische Außenluft hat eine CO₂Konzentration rund 400 ppm.

SBM2024 CO2
CO2 macht dicke luft

Das Fraunhofer-Institut stellt auf seiner Website einen CO₂-Rechner zur Verfügung. Hier können Sie Parameter wie Raumgröße, Personenzahl und Gebäude eingeben und erfahren dann, wie lange es dauert, bis der hygienisch inakzeptable Bereich erreicht wird.

Durch Atmen und Schwitzen sowie Kochen und Duschen gelangt viel Wasserdampf in die Luft. Dieser erzeugt oft ein drückendes, schweres Gefühl. Feuchte Luft begünstigt zusätzlich Schimmelpilzwachstum und die Abgabe von Schadstoffen aus Baumaterialien und Möbeln an die Luft. Aber auch zu trockene Luft kann zu Reizungen oder Atemwegsbeschwerden führen und trocknet die Schleimhäute aus – Viren aber auch Stäube haben nun ein leichtes Spiel. Der Anteil an Wasserdampf in der Luft wird in der relativen Luftfeuchtigkeit erfasst.

SBM2024 relative luftfeuchte

Viele flüchtige Verbindungen belasten die Raumluft geruchlich – oft ein Hinweis auf eine ernstzunehmende Gefahr. Schadstoffe dünsten aus Reinigungsmittel, Duftsprays, Kosmetika, Möbeln, Bodenbelägen, Farben und Klebern aus. VOC können Sie vermeiden, wenn Sie bei Neubauten, Renovierungen und Anschaffungen auf schadstoffarme, geprüfte Produkte achten. Wollen Sie mehr über VOC erfahren? Lesen hier meinen Artikel.

und seine Sporen und Stoffwechselprodukten, besonders MVOC, belasten die Raumluft und führen zu muffigen, unangenehmen Gerüchen, die ernst genommen werden sollten. Und dies gilt nicht nur bei sichtbarem Schimmel, denn häufig ist Schimmel versteckt. Etwa sechs Prozent der Deutschen haben eine Schimmelpilzallergie und geraten durch die Sporen sogar in ernste gesundheitliche Gefahr.

Feinstaub, Hausstaub und sonstige Partikel belasten die Raumluft zusätzlich und sollten daher auf ein Minimum reduziert werden.

Die einfachste und effizienteste Maßnahme ist regelmäßiges und richtiges Lüften. Dafür 4-5 Mal täglich die Fenster komplett öffnen (je nach Jahreszeit 5-10 Minuten), am besten sorgen Sie für einen Durchzug (Querlüften). Die Fenster zu kippen reicht nicht aus, um das Luftvolumen auszutauschen. Zudem kühlen die Räume im Winter bei gekipptem Fenster zu sehr aus, im Sommer wird zu viel feuchte Luft reingelüftet.

Luftfeuchte kontrollieren und regulieren: Einfache Hygro-Thermometer finden Sie zahlreich und zu günstigen Preisen.

CO₂-Messgerät anschaffen: Hier können Sie direkt ablesen, wann gelüftet werden muss: Spätestens bei 1000 ppm, sonst wird ungesund!

Wenn trotz dieser Maßnahmen noch dicke Luft herrscht, ist eine Raumluftmessung zu empfehlen. Labortechnisch analysiert werden kann Gehalt an VOC, SVOC oder Schimmelsporen.

Buchtipp: Dicke Luft – Warum geschlossene Räume uns umbringen können von Andreas und Monika Pross, 18 Euro

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